Übung zweier Kreisfeuerwehrbereitschaften (KFB)
in Lohne, Landkreis Vechta

Von KPW Harro Hartmann

Kolonne der 2. FB des LK OLLohne / Lk Vechta. (hh)    Die erste Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreises Oldenburg führte vom 15. bis 17. September 2000 zusammen mit der Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreises Vechta eine Übung im Lohner Gewerbegebiet „Rießel“ durch.

Die Übung wurde von der KFB Vechta ausgearbeitet Diese leitet auchdas Geschehen. Die 1. KFB des Landkreis Oldenburg erhielt wie bei einem realen Einsatz kurz vor Beginn der Übung den Einsatzbefehl und die Aufgaben zugeteilt.

Von der Lage war den Oldenburger Feuerwehrmitgliedern bekannt:

„Im Gewerbegebiet Lohne „Rießel“ ist ein Schadensfall von größerem Ausmaß nach einem Flugzeugabsturz entstanden. Die Ortsfeuerwehr Lohne hat die Rettungsmaßnahmen und Schadensbekämpfung aufgenommen. Sie wird von der KFB des Landkreises Vechta abgelöst.
Da der Einsatz länger anhalten wird, wurde Kreisbrandmeister (KBM) Ernst-August Müller gebeten, eine KFB des Landkreises Oldenburg zur weiteren Unterstützung abzuordnen. Sie soll vermißte Personen suchen, Brandstellen ablöschen und allgemein Hilfe leisten.“

KBM Müller ließ am Freitagabend nach Absprache mit der Kreisverwaltung und Bereitschaftsführer (BF) Otto Oltmann um 18.00 Uhr die 1. KFB alarmieren. Zusätzlich wurden alarmiert: der Fernmeldezug, die Schnelle Einsatzgruppe des MHDWildeshausen, das THW Wardenburg, DRK Verpflegungsgruppe Wildeshausen.

Lageerklärung durch Joannes Honkomp (Mitte)Tatsächlich ereignete sich nach konkreter Einweisung durch den Bereitschaftsführer Johannes Honkomp, FF Dinklage, dass in dem Gebäude der Fa. Dettmer durch eine Explosion einer Produktionsanlage ein Brand ent­standen ist, der sich schnell über das gesamte Gebäude ausgebreitet hat. Das Gebäude befindet sich im Vollbrand. Nachbarfirmen sind in unmittelbarer Gefahr. Dazu gehört auch Gefahrgut und wenig später kommt hinzu, dass auf dem Kläranlagengelände mehrere Personen vermisst werden und möglicherweise durch das Explosionsgeräusch in Becken oder Klärteiche gefallen sind. Durch Funkenflug ist auch ein Waldbrand entstanden.

Zum Übungszweck gehörten, die Zusammenführung der Züge und Aufstellung zum Marsch im „geschlossenen Verband“. Herstellung der Einsatzbereitschaft, eineFahrübung auf Bundes- und Landesstraßen sowie in geschlossenen Ortschaften, dieEinweisung und Umsetzung des Auftrages,das Retten und Bergen von verletzten Personen, Erstversorgung, die Wasserversorgung über lange Wegstrecken,der Auf- und Abbau von Material und Gerät, die Zuführung und Ausgabe von Verpflegung und die Versorgung allgemein sowie eine abschließende Kameradschaftspflege

Der Ablauf der Übung verlief dann wie geplant:

Freitagabend wurden die namentliche Meldung der Übungsteilnehmer, der Besatzungen der Einsatzfahrzeuge und die Abgabe und Verladung der persönliche Ausstattung wie Schlafsack, Luftmatratze, usw. auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Ganderkesee vorgenommen. Für die KFB Landkreis Vechta begann die Übung erst am Sonnabend vormittag.

Am Sonnabend trafen sich die Fahrzeuge der einzelnen Züge der FB des Lk Oldenburg auf den Sammelplätzen. Die Zugführer meldeten die Einsatzbereitschaft und den Abmarsch der Züge zum Sammelplatz Kimmerholz an der alten B 75. Nach Aufstellung der Marschkolonne erfolgte eine kurze Einweisung der Zugführer und Fahrer über Lage, Marschstrecke und Abwicklung des Sprechfunkverkehrs.

Die Kolonne setzte sich dann in Richtung Lohne zum in Marsch. Dort erfolgte der Abruf in den Einsatzraum. In Bakum wurde ein technischer Halt eingelegt und Verpflegung zu sich genommen.

Die Züge der Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreises trafen sich an den jeweiligen Sammelpunkten abfahrbereit. Die Züge wurden von dort nach Eintreffen von Kreisfeuerwehrbereitschaftsführer Johannes Honkomp einzelnen abgerufen. Die Schnelle Einsatzgruppe Lohne sowie die DLRG fahren selbständig zum Hauptsammelpunkt bei der Gaststätte Jägerheim, erhalten Verpfle­gung und wurden später auch von der Einsatzleitung abgerufen.

Die Einsatzkräfte des LK Oldenburg wurden bei der Fa. MAN-Südbeck in Harme von einem Zugführer des Lk Vechta abgeholt und zum Übungsgelände gebracht. Bis zum Einsatz warteten dann die einzelnen Züge auf dem Teil des „Gewerberinges“, der parallel zur Dinklage Straße verläuft.

Einsatzleiter Dieter Keding von der Kreisverwaltung Vechta gab nach Einweisung in die Lage und Verteilung der Aufgaben die Einsatzbe­fehle an die einzelnen Züge der Kreisfeuerwehrbereitschaften. Die Führungsstaffeln der beiden KFB blieben zur besonderen Verwendung am Platz des Kreisfeuerwehrbereit­schaftsführers und Einsatzleiters.

Der 1. Zug der KFB Lk Oldenburg wurde zur Brandbekämpfung eingesetzt. Daneben musste das benachbarte Firmengebäude ge­schützt und der Brand von Fertigprodukten auf dem Freigelände mittels Einsatz von mindestens zwei Schaumrohren gelöscht werden. Gullys auf der an dem Gelände vorbeiführenden Straße wurden mit Dichtkissen vor der Aufnahme von Löschwasser gesichert. Vorher mussten auch noch drei Verletzte gerettet werden.

Die Wasserversorgung für diesen Abschnitt wurde vom III. Zug der KFB Lk Vechta sichergestellt. Hierzu werden zwei B-Leitungen von der Wasserentnahme­stelle „Bach bei Schepper“ aus verlegt. Da die SEG auf den rückwärtigen Teil der Fa. Stab ihren Verbandplatz eingerichtet hatte, mussten für den notwendigen Fahrzeugverkehr Schlauchbrücken verlegt werden.

Eine weitere Firma war durch Funkenflug ebenfalls bedroht. Dazu wurde der IV. Zug der KFB Lk Oldenburg zur Unterstützung herangezogen. Die Wasserver­sorgung wurde durch eine B-Druckleitung vom „Bach bei Schepper" aus durch den III. Zug der KFB LK Vechta sichergestellt.

Um das auf dem Gelände befindliche Gefahrgut wurde vom II. Zug der KFB Vechta bekämpft. Drei Verletzte mussten gesucht, versorgt und dem Rettungsdienst zugeführt werden.

Auf dem Kläranlagengelände wurden fünf Personen nach der Explosion vermißt. Angenommen wurde, dass zumindest eine Person bei Reinigungsarbeiten in das Nachklärbecken II ge­stürzt ist. Nach kurzer Zeit kam die Meldung, dass zwei Personen in den Eindicker II gefallen sind. Der II. Zug der Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreises Oldenburg wird mit der Suche und Rettung bzw. Bergung beauftragt. Zusätzlich wurden die Taucher des Einsatzschwerpunktes der DLRG zur Unterstützung zur Verfügung.

Damit nicht genug. Nach kurzer Zeit wurde dann auch noch Brandgeruch im Zwischenpumpenwerk wahrgenommen. Auf Rückfrage wurde mitgeteilt, dass sich wahrscheinlich noch zwei Arbeiter dort aufhalten, die Wartungsarbeiten durchzuführen hatten. Auch die zusätzliche Suche nach den Personen und die Brandbekämpfung.übernahm der II. Zug der KFB LK Oldenburg.

Durch Funkenflug des Vollbrandes der Fa. Dettmer war der benachbarte Wald angefangen zu bren­nen. Die Fa. Eifrisch sowie die Wertsoffsammelstelle werden von den Flammen bedroht. Der 1. Zug der KFV LK Vechta wurde zur Brandbekämpfung eingesetzt. Die Wasserversorgung wurde durch den III. Zug der KFB Oldenburg mit zwei B-Druckleitungen sichergestellt. Als Wasserentnahmestelle musste der Schö­nungsteich der Kläranlage genutzt werden, weil Hydrantennicht mehr zur Verfügung standen. Auf dem Gelände der Wertstoffsammelstelle wurden Gefahrgutstoffe gefunden, die unter Einsatz von schwerem Atemschutz von Trupps definiert und sichergestellt wurden.

Durch die Einsatzleitstelle des Landkreises Vechta wurde dem Einsatzleiter mitgeteilt, dass auf dem Gelände der Kreisstraßenmeisterei Lohne eine Person auf dem dortige Hochsilo zu Schaden gekommen ist. Die Suche und Rettung der Person wurde dem IV. Zug des Landkreises Vechta übertragen. Der Verletzte wurde auf einer Trage festgebunden und vom Silo heruntergelassen, wo er vom MHD übernommen wurde.

Die SEG's des Malteser Hilfsdienstes beider Landkreise wurden zur Versorgung der zahlreichen Verletzten eingesetzt. Dafür wurde eine zentrale, gut erreichbare Anlaufstelle festgelegt. Um einen möglichst realistischen Übungserfolg zu erhalten, standen die eingesetzten Fahrzeuge - je nach Entfernung des gewählten Krankenhauses - die entsprechende Zeit nicht zur Verfügung ste­hen. Daher wurde durch den Leiter des Rettungsdienstes so viele RTW/KTW wie möglich angefordert.

Die Gäste und Beobachter der Übung erfolgt durch Gästebetreuer, Kreisbrandmeister a.D. Günter Südbeck. Da die Einsatzszenarien in zeitlicher und örtlicher Abfolge abliefen, war es den Gästen, zu denen unter anderem Kreisverwaltungsrat Frank Eger, Lk Oldenburg gehörte, möglich einen kontinuierlicher Ablauf des Geschehens zu beobachten. Über 250 Akteure aus den beiden Landkreises waren an der Übung beteiligt.

Für die Bestückung der Fahrzeuge der Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreises Oldenburg stand nach Abschluss der gemeinsamen Übung das Gelände der Kreisstraßenmeisterei zur Verfügung. Anschließend ging die Fahrt im geschlossenen Verband zum Schulzentrum in Dinklage. Dort wurden Räumlichkeiten der Kardinal-von-Galen-Schule bezogen. Eine Abschlußbesprechung, ein leckeres Abendessen und ein gemütliches Beisammensein rundeten den Tag ab.

Nach dem Wecken am Sonntagmorgen´, Reinigung der Unterkünfte und Einnahme des Früh­stücks verließ sen die Einsatzkräfte nach Absprache mit den Kreisfeuerwehrbereitschaftsführern das Gelände des Schulzentrums in Dinklage und begaben sich auf die Rückfahrt in ihre Standorte. Für die KFB Lk Oldenburg ging es Kolonnenfahrt bis Ahlhorn. Dort löste sich der geschlossene Verband nach abschließenden Worten von BF Otto Oltmann auf.

Zugführer des II. Zuges der Kreisfeuerwehrbereitschaft Landkreis Oldenburg, Holger Lemke, zeigte anhand eines Lageplatzes seinen Gruppenführern den Aufgabenbereich auf dem Kläranlagengelände in Lohne.

Dienstgradverleihungen durch Frank Eger (2.v.l.)Kreisverwaltungsrat Frank Eger (Mitte) nahm Dienstgradverleihungen im Anschluss an die Bereitschaftsübung in Lohne vor. „Oberbrandmeister“ ist nun der stellv. Kreisbereitschaftsführer Klaus Steppart (Mitte), „Brandmeister“ Dietrich Haje, Oberlöschmeister Hergen Schütte und Löschmeister Olaf Schulenberg, aufgrund ihrer Funktionen in der 1. Kreisfeuerwehrbereitschaft.

Bereitschaftsführer Otto Oltmann (r.), sein Stellvertreter Klaus Steppart (l.), Kreisbrandmeister Ernst-August Müller (2.v.l.) ließen sich die Lage für die Bereitschaftsübung der Kreisfeuerwehrbereitschaften Landkreis Oldenburg und Vechta anhand eines Lageplanes im Detail von Bereitschaftsführer Johannnes Honkomp (3.v.l.) erläutern.

Bilder: Harro Hartmann